Gnutella, ein Programm von nur 100k, schafft durch die
Vernetzung der Festplatten aller gerade aktiven Teilnehmer eine
Tauschgemeinschaft für Daten. Jeder Teilnehmer legt fest, welche Dateien er
freischalten will. In der Liste der gemeinsamen Dateien lässt sich suchen und
das Gewünschte herunterladen. Die Suchfunktion erlaubt es zu überprüfen, wer
gerade nach welchen Dateien sucht.
Es gibt keinen zentralen Server. Man benötigt lediglich die Internetadresse
eines Mitglieds dieses Tauschrings und wird dann dadurch mit allen gerade
aktiven Teilnehmern verbunden. Eine Einstiegsadresse findet man zum Beispiel
im IRC-Chat. Eine solche anarchistische Struktur ist kaum angreifbar. Die
Adressen der Teilnehmer ändern sich ständig. Auch der Internet-Port, über den
die Daten übertragen werden, kann angepasst werden.
Die BetaVersion ist noch unausgereift, die Programmoberfläche
gewöhnungsbedürftig und wichtige Funktionen fehlen noch, zum Beispiel die
Verwendung komplexer Suchmuster.
Bevor die Internetseite bei Nullsoft gesperrt wurde, wurde die BetaVersion auf
verschiedenen Servern gespiegelt. Eine Übersicht hierüber bietet
gnutella.nerd-herd.net. Inzwischen wurden Klone entwickelt
obwohl der Quellcode des Originals noch nicht zur Verfügung steht.
Informationen über
Gnutella dürften unter
Slashdot zu finden sein.
Diese Informationen stammen aus einem Beitrag von Erik Moeller
(moeller@okay.net) in der taz.
Dringend zu empfehlen ist ein
Artikel in der taz vom 4. Oktober 2000 - Seite 13:
Die Vorstellung, dass die Freiheit im Internet wohl grenzenlos ist,
entspricht nicht mehr der Wirklichkeit.
Das Internet - in seiner ursprünglichen Konstruktion - sicherte die Freiheit
der Kommunikation und förderte gleichzeitig Wettbewerb und Innovation.
Die Struktur des Internets beruhte auf zwei Prinzipien, nämlich
dem Ende-zu-Ende-Prinzip und
dem Open-Source-Prinzip.
Ende-zu-Ende-Prinzip bedeutet, dass nicht zur Diskussion stand,
was durch das Netz lief. Das Netz war "dumm", es hat keine
Kontrolle über die Inhalte. Damit waren die freie Rede und die Privatsphäre
geschützt, notwendige Voraussetzungen für das Recht auf Selbstbestimmung und
für eine funktionierende Demokratie.
Und an den Enden konnte jede beliebige Software eingesetzt werden. Das Netz
konnte nicht bestimmen, welche Anwendungen laufen sollten oder welche (Art von)
Inhalten zugelassen werden. Damit hatten gute Programmierer die Chance sich
mit innovationen Produkten im Markt durchzusetzen.
Durch das Open-Source-Prinzip stand der Quellcode allen offen. Eine solche
Plattform ist wettbewerbsneutral und lädt geradezu dazu ein, sich innovativ
dieser Resourcen zu bedienen.
Cookies zum Beispiel sowie digitale und biometrische
Zertifizierungstechnologien heben die Anonymität der Netzteilnehmer auf und
ermöglichen so eine Kontrolle und damit eine Reglementierung und Überwachung -
auch durch staatliche Instanzen.
Die Betreiber der neuen Breitbandnetze streben eindeutig nach Monopolisierung.
Sie entscheiden - schon heute - als Eigentümer der Netze, welche
Inhalte befördert werden und zu welchem Preis. So wird zum Beispiel von einem
der Größten in den USA, AT&T, die Computer-Videoübertragung eingeschränkt.
Viele glauben, dass das Internet eine "natürliche" Struktur habe, die Freiheit
und Wettbewerb sichern würde. Das war einmal. Das Internet ist eine rein
soziale Konstruktion, von Menschen gemacht. Seine ursprüngliche Struktur und
Funktion wird verändert von Menschen, genauer von der Wirtschaft. Sie strebt
nach gesicherten Monopolen, nach Macht. Der Macht zu entscheiden, wer was in
den Netzen darf. Sie erhalten damit Einfluss auf das Verhalten der Einzelnen
und auf das Verhalten ihrer Mitwettbewerber.
Es liegt an uns, ob wir es zulassen, dass das Netz in dieser Weise verändert
wird.
Eingehender und differenzierter geht Lawrence Lessig, dessen Ausführungen
ich hier versucht habe anzureißen, in dem oben erwähnten
Artikel in der taz auf dieses Thema ein.
Lessig lehrt Rechtswissenschaften an der Stanford Law Scool und ist Mitglied
des Berkman Center for Internet & Society an der Harvard Law School.
Der
Artikel in der taz ist ein gekürzter Vorabdruck aus: Transit
19, "Triumph des Marktes?", Verlag Neue Kritik