"Die hohe Beteiligung an der Ausschreibung sowie die Qualität der angebotenen
Leistungen zeigt, dass eine Migration auf Linux am Arbeitsplatz keine
Exotenlösung am Markt ist. Mit dem geplanten Konzept können die Ziele der
größtmöglichen Herstellerunabhängigkeit bei gleichzeitigem professionellen
Betrieb durch die Landeshauptstadt München gewährleistet werden", so das
Resümee des LiMux-Projektleiters Peter Hofmann.
Ausführliche Meldung und weiterführende Links bei
Golem
(www.golem.de/0504/37502.html)
Die Münchner Stadtverwaltung wird künftig sowohl beim Betriebssystem für ihre rund 14.000
Computer wie auch bei der Office-Software auf Open-Source-Produkte setzen. Mit den Stimmen
von SPD, Bündnis 90/Die Grünen/Rosa Liste, FDP, ÖDP, REP und PDS folgte die
Vollversammlung des Stadtrats damit einem entsprechenden Antrag von Oberbürgermeister
Christian Ude.
Ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten hatte Vor- und Nachteile
einer Umstellung vom derzeitigen städtischen Standard "Windows NT/Microsoft
Office" alternativ auf "Windows XP/Microsoft Office" oder "Linux/Open Office"
bewertet und dabei einen klaren strategisch-qualitativen Vorsprung für die
Open-Source-Lösung ermittelt.
OB Ude: "Mit diesem richtungsweisenden Grundsatzbeschluss sichert sich München
nicht nur als erste deutsche Großstadt eine größere Herstellerunabhängigkeit
ihrer IT-Infrastruktur, sondern setzt auch ein klares Zeichen für mehr
Wettbewerb im Software-Markt. Die Vorgeschichte dieser Entscheidung hat ja
bereits gezeigt, dass eine Konkurrenzsituation bei der Preisbildung
offensichtlich gut tut."
Landeshaupstadt München
Herrn Oberbürgermeister Christian Ude
Marienplatz 8
80313 M ü n c h e n
30. April 2003
Entscheidung des Münchner Stadtrats
für eine Linux- oder Windows-basierte-Lösung
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
die Tatsache, dass Steve Balmer Sie persönlich aufsucht, kann deutlicher nicht
zeigen, dass die Entscheidung, die München zu treffen hat, in ihrer Bedeutung
weit über die Grenzen von München hinausgeht. Wir glauben, dass dies eine
Entscheidung ist, die ganz Europa beeinflussen wird.
Im Wesentlichen geht es dabei um ganz handfeste wirtschaftliche Interessen eines
amerikanischen Monopolisten auf der einen Seite und auf der anderen Seite um die
Entwicklungschancen einer unabhängigen und vielfältigen Softwareindustrie - vor
allem auch in Europa - und den damit verbundenen Arbeitsplätzen und
Steuereinnahmen.
Die Macht von Microsoft hat zu Lizenzbedingungen geführt, die auch von der
Industrie abgelehnt werden. Aber nicht jedes Unternehmen hat die Möglichkeit, so
flexibel zu reagieren, dass es einfach den Anbieter wechseln kann. Daher ist es
wichtig, dass dort, wo aktuell die Möglichkeit der Wahl besteht, dieser
Entscheidungsspielraum genutzt wird, die Entwicklung freier und offener Software
zu unterstützen.
Selbst wenn München alles als Geschenk erhalten würde, wäre dies keine gute Tat
eines Anbieters, sondern klares wirtschaftliches Kalkül. Denn was immer
Microsoft in München auch aufwenden müsste, um den Auftrag zu erhalten, Europa
würde dafür zahlen.
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Es gibt afrikanische Staaten, die solchen Geschenken nicht nur argwöhnisch
gegenüber standen, sondern ihnen keinen Glauben schenkten, weil einfache
Überlegungen zeigten, dass ein solches Geschenk langfristig viel teurer kam, als
die Entscheidung für freie und offene Software.
Eine Entscheidung zu Gunsten von Linux lässt sich allen gegenüber klar
vertreten, selbst ohne jedes politische Argument. Es ist die Entscheidung für
das bessere und das langfristig günstigere Produkt.
Die Entscheidung für Linux ist eine Entscheidung für ein Betriebssystem.
Betriebssysteme sind die Grundlage für jede Art von elektronischer Informations-
und Datenverarbeitung. Wenn diese Basis frei und offen ist, also kostenfrei
verteilt und von jedem kontrolliert, verbessert und erweitert werden kann, dann
schafft dies für viele Benutzer erst die Möglichkeit, diese Medien zu nutzen,
und in der Softwareindustrie haben auch kleine Entwickler eine Chance.
Darüberhinaus werden die Fortschritte, die die weltweite OpenSource-Entwicklung
erbringt, umgehend für alle kostenlos nutzbar.
So setzen auch Münchner Lehrer schon seit Jahren freie Software an Schulen ein
und haben dadurch erheblich zu Kosteneinsparungen beigetragen - eine
Entwicklung, die sicherlich nicht gebremst werden sollte.
Mit freundlichen Grüßen
Hans - Josef Heck
Stellvertretender Vorsitzender
Freie Software und Bildung e.V.