Seit vielen Jahren bin ich im Bereich der Lehrerfortbildung tätig. Bei
ungezählten Veranstaltungen jeder Art, von der nachmittäglichen regionalen
Fortbildung bis zur einwöchigen auf einer Akademie, von der
Internet-Einführung bis zu Netzwerkberater-Kursen, vom einfachen Lehrer bis
zum Schulleiter, von der Sonderschule über Grundschule, Hauptschule,
Realschule, Gymnasium bis zur Berufsschule war dabei alles vertreten. Dabei
habe ich sehr viele Gespräche mit den Teilnehmern geführt und kann daher ganz
gut die Lage und die Stimmung vor Ort einschätzen. Des weiteren betreue ich
seit vielen Jahren das schulische Netzwerk inklusive Internetanbindung, von
der Planung des Netzwerkes bis zur Realisierung, von der Hardwarebeschaffung
bis zur Softwareinstallation. Dies zeigte deutlich, was ein Netzwerk und ein
Internetanschluss an der Schule können muss.
Stand der Technik an Schulen ist mittlerweile ein lokales Netzwerk mit Server
und Internetanbindung. Dies ist an vielen Schulen auch bereits realisiert oder
zumindest geplant oder gewünscht.
Die Planung, Einrichtung und ständige Pflege dieses Netzwerkes mit allen
seinen Komponenten ist nicht trivial und benötigt nicht unerheblich viel Zeit.
Derzeit wird dies in der Regel von einem engagierten Lehrer übernommen, der
wohl weiß, dass er im Wesentlichen in seiner Freizeit daran arbeitet, denn
zumindest im allgemein bildenden Bereich ist keine adäquate Deputatsentlastung
gegeben.
Vor diesem Hintergrund wurden und werden verschiedene Modelle entworfen und
durchgedacht, wie wohl künftig die schulische Netzwerkbetreuung aussehen
könnte.
Was dabei aus meiner Sicht auf jeden Fall an einem Gymnasium unabdingbar ist,
ersehen Sie in der Checkliste weiter unten in diesem Text. Seien Sie
versichert, jeder einzelne Punkt hat sich in der täglichen Praxis als wichtig
und erforderlich herausgestellt, ein Verzicht darauf brächte schwere
Einschränkungen und Beeinträchtigungen mit sich, teilweise bis zum Erliegen
des Unterrichts.
Zentrale Supportlösungen bringen mit sich, dass an allen beteiligten Schulen
eine Lösung eingesetzt werden wird, die überall passen soll. Solche Lösungen
passen dafür aber meistens nirgends wirklich richtig.
Des weiteren bringt dies für viele Schulen mit sich, dass eine eingeführte
Lösung verlassen werden muss. Folge ist, dass alles aufgebaute Know-How
schlagartig wertlos ist, für die neue Lösung keines vorhanden ist und bei
solcher Vorgehensweise auch nicht unbedingt mit der Bereitschaft zu rechnen
ist, solches neu aufzubauen. An der Schule steht dann von heute auf morgen
überhaupt niemand mehr zur Verfügung, der irgendeine Form der Computer- und
Netzwerkbetreuung leistet bzw. leisten könnte. Wird diese dann nicht
vollständig vom zentralen Support übernommen, kommt der Unterricht in Fächern
wie ITG, Informatik-Grundkursen oder Informatik-AGs schlagartig vollständig
zum Erliegen.
Kommen dann noch Lösungen hinzu, bei denen ein Mitarbeiter, angestellt beim
Schulträger, 30 Schulen betreuen soll (das gibt es tatsächlich!), ist von
vornherein klar, dass dies nicht funktionieren wird, aber auch bei besserer
Planung ist es unbekannt, wie groß die Reaktionszeit im Störungsfalle ist.
Dies zeigt sehr klar, dass die Komplexität von Schulnetzen und der daher für
die Betreuung erforderliche Zeitaufwand völlig unterschätzt wird, ebenso wie
die Tatsache, dass - wie oben geschildert - an vielen Schulen der Mitarbeiter
die vollständige Betreuung aller Computer übernehmen müsste - inklusive der
Installation aller benötigten Software. Die Folgen sind z.B. dass ITG nicht
mehr gemäß Lehrplan unterrichtet werden könnte, Informatik-Grundkurse und
Informatik-AGs wären praktisch tot (und das in Zeiten von Green
Card-Initiativen in diesem Bereich), die selbstverständliche Computer- und
Internetnutzung in allen schulischen Bereichen und Fächern kaum möglich.
Diese Schilderung der Problematik zeigt deutlich, dass es wenig Sinn macht und
dementsprechend sehr bescheidenen Erfolg haben wird, die Schulen
gießkannenartig mit einer einheitlichen Lösung und einem einheitlichen Support
zu "beglücken".
Schulen, die derzeit noch keine besonders gepflegte IT-Einrichtung, oft auch
mangels Know-Hows vor Ort, haben, werden sicherlich das Angebot eines
zentralen Supports gerne annehmen. Hier ist nur darauf zu achten, die
Komplexität (siehe Checkliste weiter unten) nicht zu unterschätzen, um ein
zufriedenstellendes Ergebnis zu erhalten.
Für Schulen mit einer gut eingeführten und funktionierenden Lösung und
entsprechendem Know-How vor Ort wäre ein zwangsweise übergestülptes externes
Betreuungskonzept - mit einer zu befürchtenden Praxisferne - in aller Regel
ein Rückschritt, verbunden mit der Frustration und Resignation der bisherigen
engagierten Betreuer - dies ist mir aus vielen Gesprächen und Mails bekannt
und darf nicht unterschätzt oder auf die leichte Schulter genommen werden.
Hier muss sensibel vorgegangen und im Einzelfall entschieden werden.
Eine sehr überlegenswerte Lösung ist, dass der bisherige Betreuer der
schulischen Computer und des Netzwerkes dies auch weiterhin tut, allerdings
nicht mehr auf der Basis von (viel zu wenigen) Anrechnungsstunden, sondern
gegen Bezahlung. Hierzu lässt er sich eine Nebentätigkeit genehmigen und wird
vom Schulträger angestellt. Dies kann verbunden werden mit einer (eventuellen
zwingend) Deputatsreduktion. Damit sollte dann natürlich kein
Einkommensverlust verbunden sein. U.U. wird vielleicht sogar der eine oder
andere Betreuer, der auf diese Art arbeitet, zusätzlich zur eigenen Schule
noch eine benachbarte Schule ohne eigenes Know-How, z.B. eine Grundschule,
mitbetreuen.
Diese Lösung bietet zahlreiche Vorteile:
Die Schule kann bei der eingeführten und bewährten Lösung bleiben.
Das aufgebaute Know-How wird nicht wertlos, sondern kann vorteilhaft weiter
eingesetzt werden. Dies verhindert nicht nur Frustration und Resignation,
sondern stellt auch eine Wertschätzung der bisher geleisteten Arbeit dar.
Der Fachmann ist im Hause und kann entsprechend schnell reagieren.
Der Fachmann kennt die Wünsche und Bedürfnisse der jeweiligen Schule genau
und kann eine maßgeschneiderte Lösung aufbauen.
Vor der breiten Einführung eines irgendwie gearteten Supportkonzeptes für
schulische Netzwerke sollten die obigen Überlegungen zusammen mit allen
jeweils beteiligten Schulen genau geprüft und abgewogen werden, um zu
verhindern, dass es nur eine "Verschlimmbesserung" wird. Dabei mag auch die
nun folgende Checkliste behilflich sein:
| Checkliste: Was braucht ein Schulnetz und warum? |
| Thema | Erläuterung | Notizen |
| Accounts |
Jeder einzelne User, also jeder Lehrer und jeder Schüler, benötigt einen
eigenen, individuellen Account. Dies ist z.B. erforderlich für die
Homedirectories, die Mailabwicklung, die saubere Protokollierung aller
Systemvorgänge und -zugriffe, z.B. beim WWW-Zugang. Ein Account wird sobald als
nötig angelegt und erst wieder gelöscht, wenn der betreffende User die Schule
verlässt. Bei Schülern ist dabei die Meldung vom Sekretariat erforderlich. Jeder
User muss jederzeit sein Passwort selbst ändern können. |
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| Homedirectories |
Jeder einzelne User, also jeder Lehrer und jeder Schüler, benötigt ein
eigenes, individuelles Homedirectory auf dem Server. Damit kommt jeder User,
also z.B. auch der Schüler in einer Freistunde, von jedem beliebigen Rechner der
Schule aus an seine Daten und kann damit weiterarbeiten, z.B. für den
Informatik-Grundkurs, den Seminarkurs, die Schülerzeitung, längerfristige
Projekte, usw.. Speicherung persönlicher Daten auf Diskette ist bei den heutigen
Datenmengen und Dateigrößen nicht mehr sinnvoll möglich. Die Daten bleiben auch
schuljahrübergreifend liegen und werden erst gelöscht, wenn der Useraccount
gelöscht wird. |
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| Quotas |
Zumindest für die Partition, auf der die Homedirectories gespeichert sind,
muss der Festplattenplatz kontingentiert werden können, besser auch auf weiteren
Partitionen, auf denen Userdaten liegen, wie /tmp oder
var/spool/mail. Die Kontingentierung muss dabei mindestens aus
Gruppenquotas bestehen, also z.B. für die Benutzergruppe schueler,
damit auch Lehrer noch eine Chance haben, etwas in ihrem Homedirectory speichern
zu können. |
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| WWW-Sperre |
Der WWW-Zugang von Computern, die für Schüler zugänglich sind, muss von
Lehrern softwaremäßig freigeschaltet und gesperrt werden können, z.B. raumweise
für die Computerräume. Einerseits unterstützt dies die Schule bei der Aufsicht,
z.B. für die Einhaltung des Jugendschutzes, ganz gewaltig, andererseits ist ein
Unterrichten sehr mühsam bzw. fast nicht mehr möglich, wenn gleichzeitig ein
WWW-Zugang möglich ist. |
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| WWW-Proxy |
Für den WWW-Zugang ist ein schuleigener WWW-Proxy mit Cache unbedingt
erforderlich. Die eine Funktion ist, die notorisch unterdimensionierte
Internetanbindung durch Caching zu entlasten. Die andere Funktion ist eine
Filterung der WWW-Zugriffe, um z.B. Pornographie, Chat, MP3, usw. außen vor zu
halten. Filterung ist möglich nach regulären Ausdrücken und nach URLs; bei
regulären Ausdrücken genügen vergleichsweise kleine Listen, bei URL-Listen
müssen diese sehr umfangreich sein, manuelle Erstellung ist nicht leistbar. Dies
ist insbesondere im Zusammenhang mit dem kostenlosen T@School-Anschluss wichtig,
weil dort auf Provider-Seite im Gegensatz um BelWü keine Filterung erfolgt.
Dieser Proxy darf von den Clients aus nicht umgehbar sein, entweder durch die
Verwendung nicht routebarer IP-Adressen ohne Masquerading oder einen
entsprechenden Paketfilter im Router. Der WWW-Proxy protokolliert auch
vollständig alle WWW-Zugriffe mit, um Stichprobenkontrollen zu ermöglichen.
Hierzu ist es erforderlich, dass in der Protokolldatei auch die Usernamen
mitprotokolliert werden. |
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| Mail |
Betreibt die Schule einen eigenen Mailserver, dann ist dies sinnvoll nur mit
BelWü möglich, da von seiten der Telekom kein ETRN mit SMTP angeboten wird. Die
Mailclients müssen so konfiguriert sein, dass der User seine
Absender-Mailadresse nicht fälschen kann. Die maximal zulässige Größe von Mails
muss beschränkt sein, um z.B. die Nutzung von Diensten wie DownloadSlave zu
verhindern. |
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| Datenaustausch |
Für Klausuren müssen alle Datenaustauschmöglichkeiten wie WinPopUp, Mail,
Tauschverzeichnis, Mail, usw. von jedem Lehrer raumweise softwaremäßig gesperrt
und wieder freigegeben werden können. |
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| Cloning |
Die Clients müssen schnell restaurierbar sein. Hierzu sind
Hardware-Steckkarten wie PC-Wächter von Dr. Kaiser, Boot-PROMs auf den
Netzwerkkarten und Cloning-Lösungen einzusetzen. |
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| Client-Betriebssystem |
Besonders pflegeleichte Clients erhält man mit dem Betriebssystem Linux.
Voll abgedichtete Windows-NT-Clients sind zumindest für die nur von Lehrer
genutzten Computer unbrauchbar, da dort auch die testweise lokale Installation
von Software jederzeit möglich sein muss. INiS sollte nicht eingesetzt werden;
es verursacht enorme Kosten, sowohl in der Anschaffung als auch Folgekosten bei
Softwareinstallationen, gängelt alle Anwender und läuft wackelig. |
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| Softwareinstallation |
Ein LAN wird besonders dann pflegeleicht, wenn die Anwendungssoftware
zentral und schreibgeschützt auf dem Server installiert ist. Dies setzt voll
netzwerkfähige Software gemäß der Kriterien von INSS: Initiative Netzwerkfähige
Schul-Software http://www.rittershofer.de/info/schsoft/schsoft.htm
voraus. Auf Herstellerangaben ist leider überhaupt kein Verlass, vor jeder
Beschaffung, am besten zentral organisiert, muss sich der zuständige
Systemverwalter von der Erfüllung der genannten Kriterien überzeugen. |
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| Lizenzzahl |
Es muss möglich sein, Software auf dem Server so zu installieren, dass nur
eine bestimmte Anzahl Clients gleichzeitig diese Software nutzen kann. Dies ist
notwendig für Software, von der weniger Lizenzen vorhanden sind als
Clients. |
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| Lizenzverwaltung |
Es ist eine zentrale Beschaffung und Lizenzverwaltung erforderlich, um die
Einhaltung aller Lizenzbestimmungen an der ganzen Schule sicherzustellen. Dies
hat auch Auswirkungen auf die Softwareinstallation, denn eine Software, für die
z.B. 10 Lizenzen beschafft wurden, darf auch nur maximal zehnmal simultan
verwendet werden können. Weitere Informationen gibt es in "Software für
Schulen" http://www.rittershofer.de/vortrag/sisch/index.htm
. |
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| Wählleitung |
Wählleitungen, insbesondere kostenpflichtige wie z.B. zu BelWü, müssen gegen
beabsichtigte oder unbeabsichtigte Dauerverbindungen geschützt sein,
offengehalten z.B. durch ein- oder ausgehendes Ping. Hierzu sind entsprechende
Filterregeln auf dem Router erforderlich. |
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| Homepage |
Die Homepage der Schule sollte nicht bei T-Online liegen: erstens liegt sie
dann nicht unter einer eigenen Domain, und nur damit kann die Schule kenntlich
machen, dass es sich dabei um die offizielle Schulhomepage handelt, zweitens ist
das Volumen - zumindest derzeit - auf nur 10MB beschränkt, drittens können keine
Unterverzeichnisse angelegt werden, die Dateiverwaltung versinkt damit schnell
im Chaos. Jede Schule in Baden-Württemberg kann ihre Homepage kostenlos unter
eigener Domain bei BelWü ablegen, ohne dort angeschlossen sein zu müssen. |
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Es interessiert mich zu erfahren, wie wichtig die einzelnen Punkte den Schulen
sind. Es würde mich daher sehr freuen, wenn Sie an der
Umfrage teilnehmen würden.
Daraus ergeben sich die folgenden Tätigkeiten und Aufgaben für einen
Netzwerkbetreuer an der Schule, wobei klar sein muss, dass ein externer
Betreuer dies vollständig allein wird tun müssen:
Alle Homeverzeichnisse auf dem Server nach Raubkopien und indizierten
Spielen suchen, diese ggf. löschen.
Alle Homeverzeichnisse nach unerwünschten Dateien absuchen, z.B. große
Mengen MP3s, diese ggf. löschen.
Software installieren, und zwar zentral auf dem Server. Bei Bedarf Images
anpassen und Clients clonen. Dabei Bestimmungen des Lizenzrechtes beachten
und Zugriffsmöglichkeiten entsprechend konfigurieren. Dazu gehört auch die
Lizenzverwaltung.
Filtereinsätze z.B. der Beamer reinigen.
Betriebsstunden der Beamerlampen kontrollieren, ggf. Austausch veranlassen.
Bevorratung an Verbrauchsmaterial wie Papier, Toner, Tintenpatronen
kontrollieren, ggf. nachbeschaffen.
Accounts anlegen für User, die während des Schuljahres neu dazukommen.
Accounts löschen von Usern, die während des Schuljahres die Schule verlassen.
Neue Passwörter vergeben für User, die ihres vergessen haben.
Zustand der USV kontrollieren.
Alle hier genannten Punkte sind beim
Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Metzingen
(http://www.dbg.rt.bw.schule.de) derzeit erfüllt. Wir legen daher
Wert darauf, dass dies auch künftig so sein wird, denn alles andere wäre ein
Rückschritt.