Viele Lehrer werden heute mit der Frage konfrontiert, ihre Schule mit
Rechnern ausstatten zu müssen. Dies ist für sie oft eine eigentlich unlösbare
Aufgabe, da ihnen die notwendige Ausbildung hierfür fehlt.
An dieser Stelle setzen diese Zeilen an.
Die Situation ist klar: In einem oder mehreren Räumen müssen mehrere
Arbeitsplätze zur Verfügung stehen.
Diese klassische Mehrbenutzersituation ist in unseren Schulen - zumindest in
der Vergangenheit - sach- und vernunftswidrig durch eine Anhäufung einzelner,
autonomer Arbeitsplätze gelöst worden. Dass hier viel Arbeitskraft sinnlos
geopfert und die Chance, sich fachkundig zu machen, vertan wurde, ist
eine Hypothek, die heute zusätzliche Anstrengungen erforderlich macht.
Dass heute die Lösung in einem
Netzwerk liegt, also
in dem Verbund aller Arbeitsplatzrechner, dürfte keine Frage mehr sein.
Wenn man den Aufwand für die Verwaltung der Systeme minimieren will, wird man
heute die Arbeitsplätze (
Clients) so gestalten,
dass dort keine Verwaltungsarbeiten anfallen. Alles was gespeichert und
eingerichtet werden muss, wird auf einem zentralen, sehr leistungsfähigem
Rechner erfolgen. Er ist der Diener, der
Server
für die Arbeitsplatzstationen.
Jeder Rechner, Client wie Server, benötigen ein
Betriebssystem. Und mit dieser Frage taucht auch das
erste Problem auf. Denn das Betriebssystem ist wiederum die Grundlage der
Software, die wir eigenlich im Unterricht einsetzen wollen, der
Anwendungssoftware.
Das Problem liegt darin, dass es zwei Betriebssysteme gibt: Windows und
Linux/Unix.
Windows kostet Geld, Linux nicht. Linux ist darüberhinaus stabiler und
sicherer. Und die Welt wird unabhängiger von einem einzigen Softwarehaus.
Für Linux gibt es die ganze Palette der Standardsoftware einschließlich
kommerzieller Anwendungen. Ausgesprochene Schulsoftware wurde bisher aber
fast ausschließlich für Windows erstellt.
Zur Bedeutung von Linux für Schule und Gesellschaft gibt es einige
Beiträge auf diesem Server. Zum Beispiel
Während die Freie Wirtschaft sich mit Sieben-Meilen-Stiefeln auf Linux zu
bewegt, sitzen wir Schulen scheinbar in einer Falle. Die
Schulsoftwarehersteller werden nicht nach Linux portieren, was die freie
Wirtschaft mit Vehemenz unternimmt, solange nicht Linux in den Schulen läuft.
Und Linux kann in den Schulen nicht laufen, weil die Schulsoftware nicht für
Linux verfügbar ist.
Damit kein Missverständnis entsteht: Das Angebot an Software, die wir unter
Linux in Schulen einsetzen können, ist riesig. Alle Standardsoftware gibt es
kostenlos, wofür unter Windows viel Geld zu bezahlen ist. Darüberhinaus gibt
es viele spezielle Programme, die auch für den Unterricht interessant sind.
Eine (kleine) Übersicht finden Sie
hier auf diesen Server.
Viele Schulen setzen daher nur Software unter Linux ein. Ein Beispiel für eine
Thin Client Lösung finden Sie auf diesem Server unter ->
Thin Clients an einer Schule.
Viele Schulen, die windowsbasierte Anwendungsprogramme verwenden, setzen
trotzdem heute schon Linux/Unix als Server für die verschiedensten Aufgaben
ein. Einfach, weil das sehr viele Vorteile hat.
Es ist grundsätzlich möglich, Windows und Linux in Betrieb zu haben. Dafür
gibt es mehrere Lösungsansätze:
* Erste Lösung:
Auf den Arbeitsplatzrechnern läuft Linux und Windows gleichzeitig. Eine
spezielle Software sorgt dafür, dass ein Teil des Hauptspeicher
für das zweite Betriebssystem "abgetrennt" wird. Die Software gaukelt
dem zweiten Betriebssystem vor, dass es einen PC vor sich hat. Hier
wird also die Hardware durch die Software dupliziert. Das funktioniert.
Die Software, die dies leistet, heißt
VMware.
Auf dem zentralen Linux-/Unix-Server werden alle Programme und Daten
gespeichert. Über diesen Rechner erfolgt der Druckbetrieb und auch die
Anbindung ans Internet.
Nachteil: Die Arbeitplatzrechner brauchen vergleichsweise viel
Hauptspeicher. VMware muss bezahlt werden - je Arbeitsplatz. Windows muss
trotzdem vorhanden sein und bezahlt werden. VMware muss man installieren
können (Lehrer) und bedienen lernen (Schüler und Leher).
* Zweite Lösung:
Neben dem Linux-Server gibt es noch einen Windows-NT/2000-Server und zwar
im MehrbenutzerBetrieb. Dort laufen also die für Windows geschriebenen
Anwendungen ab. Die Ein- und Ausgabe erfolgt auf dem Arbeitsplatzrechner.
Eine Software auf dem Linux-/Unix-Server vermittelt zwischen
den Arbeitplatzrechnern und dem Windows-AnwendungsServer.
Der zentrale Linux-/Unix-Server übernimmt auch die anderen, zentralen
Aufgaben.
Für diese Lösung gibt es verschiedene Lieferanten:
Citrix mit
Metaframe und
SCO mit
Tarantella.
Metaframe ist für das erste Unix (Solaris)
gerade verfügbar geworden, und wird auch für Linux noch in diesem Jahr zur
Verfügung stehen.
Tarantella gibt es für die verschiedensten
Unix-Versionen und ist für Linux (SuSE, Caldera, Red Hat, Turbo-Linux) für
die zweite Jahreshälfte 2000 angekündigt.
Tarantella bedient einen Browser, der über ein Java Plugin verfügen muss.
Die aktuelle Version von Netscape (4.7) stürzt in dieser Nutzung nach rund
einer Viertstunde ab. Mit der nächsten Version von Netscape könnte dieses
Problem behoben sein.
Die Hardwareanforderungen an die Arbeitsplatzrechner dürften bei diesen beiden
Lösungen tendenziell die gleichen sein. Denn auch bei der zweiten, der
sogenannten Thin-Client-Lösung, müssen leistungsfähige Arbeitsplatzrechner
vorgehalten werden: Um die Netzbelastung bei der Thin-Client-Lösung in Grenzen
zu halten, werden die Daten komprimiert übertragen und müssen daher auf dem
Arbeitplatz wieder dekomprimiert werden.
* Dritte Lösung (Reiner Klapproth):
Die Arbeitsplatzrechner (zum Beispiel 486DX4-100 mit 16 MB RAM) besitzen
eine kleine Festplatte von ca. 500MB sowie eine Netzwerkkarte mit
Boot-EPROM. Das EPROM meldet sich mit einem Boot-Menü: "Vom Netzwerk booten
(J/N)?". Ein "Nein" sorgt dafür, dass von der lokalen Festplatte gebootet
wird. Die lokale Festplatte kann man in eine schreibgeschützte Partition C:
und eine beschreibbare Partition D: aufteilen. Damit wird verhindert, dass
das Betriebssystem und seine Konfiguration von den Schülern zerschossen
wird. Die Windows-Partition kann über einen Samba-Server auf das
Linux-System zugreifen (Home, Programme, CD-ROM).
Antwortet man auf die Frage "Vom Netzwerk booten (J/N)?" mit "Ja" oder
wartet einige Sekunden, dann wird Linux über das Netzwerk gebootet.
Aktuelle Artikel hierzu in iX 3/2000: Thin Client (S.46ff), Terminal-Server
(S.56ff), Tarantella (S.62f)