Ein Internet-Zugang ist trotz oder vielleicht auch gerade durch bundesweite
Initiativen wie z.B.
"Schulen
ans Netz (SAN)" immer noch eine der attraktivsten EDV-Investionen für
Schulen. Wenn die vorhandenen Computer miteinander vernetzt sind, reicht nur
der Einsatz eines sog. "Routers" aus, um auf einen Schlag alle Rechner mit dem
Internet zu verbinden.
Bei der Planung wird zwar häufig die komplette Einrichtung eines Servers inkl.
eigener Domaine (z.B. www.xyz-schule.de) und lokaler Benutzerverwaltung (z.B.
für eigene e-Mail Adressen) vorgeschlagen, doch für einen reinen
Internet-Zugang ist dies nicht erforderlich. Lediglich das Vorhandensein eines
Routers muss den vorhandenen Computern vermittelt werden, weitere
zeitaufwendige Umkonfigurationen erübrigen sich.
Immer wieder wird der "Wunsch" geäußert, eine grafische Oberfläche wie sie
z.B. die Betriebssysteme der Windows-Familie bieten, könnte die Einrichtung
eines solchen Routers bzw. Servers, insbesondere für ungeübte Lehrkräfte
vereinfachen. In der Praxis zeigt sich aber, daß der Umgang mit Fenstern und
Maus dazu nicht ausreicht. Daher sollte die Einrichtung eines Internet-Zugangs
i.d.R. noch extern vergeben werden, es sei denn, es findet sich stattdessen
innerhalb der Schule jemand, der bereit ist, Zeit für die Einarbeitung in die
Materie "Computer-Netzwerke" aufzubringen. Die spätere Administration
erfordert dann bei verschiedenen heute verfügbaren Lösungen erfreulich wenig
Aufwand und kann durch die Schule selbst erfolgen.
Spätestens aber, wenn die Kosten für die Einrichtung eines Internet-Zugangs
ins Spiel kommen, schlägt die Stunde von Linux als Alternative.
fli4l ist ein Linux-basierender ISDN-, DSL- und Ethernet-Router, der lediglich
1 Diskette zum Arbeiten benötigt. Ein 486er mit 16MB RAM ist dafür
vollkommen ausreichend.
Die wichtigsten Features:
Erstellen der Boot-Diskette unter Unix, Linux und Windows
Konfiguration über eine einzige ASCII-Datei
Unterstützung von IP-Masquerading und Port-Forwarding
Windows/Unix/Linux-Client zur Kontrolle und Beeinflussung der beiden
ISDN-Kanäle
Linux-Kernel 2.2.19
Kanalbündelung: automatische Bandbreitenanpassung oder manuelle
Zuschaltung des 2. Kanals über Windows-/Unix-Client
optionale Programmpakete: DNS-Server, DHCP-Server, SSH-Login, ...
Weitere ausführliche und deutschsprachige Informationen findet man
unter
http://www.fli4l.de/.
Quelle: Jens Stolze - Gesamtschule Eppendorf
Fli4L (Floppy Linux for ISDN)
ist ein deutsches Open Source-Projekt für einen Router auf PC-Basis, dessen
Version 1.6.3 (Stand: Oktober 2001) ausgereifte Stabilität bei minimalen
Hardware-Anforderungen mitbringt. Ein fast immer vorhandener PC mit
i386-Prozessor mit 8 MB RAM reicht für ISDN aus, das für mehr als 10-12
gleichzeitige Internet-Benutzer empfehlenswertere xDSL/T-DSL hätte gerne einen
i486 mit 16 MB RAM. Rechner dieser Leistungsklasse sind heute oft schon auf
dem Sperrmüll zu finden.
Mit einer Netzwerk- und einer ISDN-Karte versehen (oder 2 Netzwerkkarten bei
xDSL) , wird daraus im Gegensatz zu sog. Hardware-Routern (die durch ihren
geringen Platzbedarf bestechen, derzeit allerdings ca. 500-1000 DM kosten) ein
entsprechender Software-Router, der gerade mal mit max. 200 DM an
Investitionen in neue Hardware auskommt. Weitere Kosten für Software fallen
nicht an, eine der besten Eigenschaften von Open Source und der GPL ...
Eine eingebaute Festplatte kann entfernt werden, denn wie der Name schon sagt,
reicht eine einfache 3.5"-Diskette zum Start des Routers aus. Und ein Router,
der seinen Namen wirklich verdient, wird höchstens zu Wartungszwecken neu
gestartet, was Fli4L nicht nur in der Theorie voll und ganz erfüllt.
Tastatur und Monitor am Router-PC werden daher nur für die Einrichtung
gebraucht, Diagnose und Administration im laufenden Betrieb können mit einem
mitgelieferten Windows-Programm oder einem beliebigen Web-Browser über das
lokale Netzwerk erfolgen. Sehr praktisch ist z.B. die Möglichkeit, damit den
Internet-Zugang zeitweise stillzulegen (ohne den Router komplett abzuschalten),
um sich wieder die Aufmerksamkeit der Benutzer zu sichern. Allerdings wird
mind. ein i486 mit 16 MB RAM als Router benötigt, wenn ein Web-Browser
eingesetzt werden soll.
Eine Fernwartung ist traditionell bei UNIX/Linux-Systemen inbegriffen, und so
bietet auch Fli4L die Möglichkeit der Einwahl von außerhalb der Schule, um
sich von der Funktionstüchtigkeit des Routers zu überzeugen. Wenn auch evtl.
nur von Profis zu bedienen, zeigt aber gerade eine Terminalemulation ihre
Stärken, wenn es auf möglichst universelle Lösungen ankommt. Letztere werden
auch mit BoD (Bandwidth on Demand) etwas anfangen können, um bei hoher
Auslastung einen zweiten ISDN-Kanal dazuschalten zu können, was bei
T@School
seit dem 01.06.2000 möglich (und empfehlenswert) ist.
Wenn es doch mal klemmt - nobody is perfect - wird die Dokumentation eines
Programms wichtig. Auch hier kann Fli4L durch eine umfangreiche deutsche, auch
ohne Internet nutzbare Anleitung und Hilfe glänzen. Online stehen eine
Mailingliste
lists.spline.de/mailman/listinfo/fli4l/ (ältere Ausgaben
sind unter
lists.spline.inf.fu-berlin.de/pipermail/fli4l/ zu finden )
und eine sehr gut besuchte Newsgroup (spline.fli4l auf news.spline.de) zur
Verfügung, auf der sich auch die Entwickler von Fli4L derart rege beteiligen,
daß man sich fragt, ob sich diese überhaupt noch mit etwas anderem
beschäftigen ... ;-)
Sicherheit im Internet - auch ein Thema für Router. Obwohl sich Fli4L selbst
nicht als ausgefeilte Sicherheitslösung versteht, reichen die vorhandenen
Funktionen wie NAT (network address translation), eine paketorientierte
Firewall und die Verwendung von ssh häufig aus. Online-Spieler werden sich
vielleicht ärgern, die verantwortlichen EDV-Administratoren aber freuen, wenn
in der Grundeinstellung nur typische Internet-Dienste wie WWW, FTP, e-Mail usw.
erlaubt sind.
In der Entwicklung ist derzeit die Version 2.0, die dann eine Festplatte
vorraussetzt. Dadurch wird z.B. der Einsatz eine Web-Proxys möglich, der
angeforderte Internet-Seiten lokal zwischenspeichert und anschließend ohne den
erneuten Aufbau einer Verbindung ins Internet liefern kann. Bei einem
kostenlosen bzw. gefördertem Internet-Zugang für Schulen fällt dies aber
wahrscheinlich nicht so sehr ins Gewicht, obwohl die zwischengespeicherten
Seiten schneller wieder verfügbar sein können.
Leider wird durch den Einbau einer Festplatte der ansonsten völlig
geräuschlose Floppy-Router (ein Netzteillüfter kann bei vielen alten Geräten
stillgelegt werden) wieder hörbar. Aber wenn der Router in einem PC-Raum
aufgestellt wird, wird er zwischen den "modernen" Rechnern immer noch nicht zu
hören sein.
Wenn dann später zusätzliche Dienstleistungen innerhalb des lokalen Netzwerkes
gewünscht werden (z.B. gemeinsame Daten- und Druckernutzung oder eine auf die
Klassenstruktur in Schulen ausgerichtete Benutzerverwaltung), hat sich der
ebenfalls auf Linux basierende
c't ODS Kommunikations-Server als Alternative zu einem
reinen Router bewährt. Mit seiner speziellen Ausrichtung auf den Schuleinsatz
(und in dieser Form ohne kommerzielle Konkurrenz) DAS Mittel der Wahl.
Die schon etwas ältere Version 3.1 hat noch ihre Macken bei der Nutzung von
xSDL/T-DSL, die offiziell noch als Beta bezeichnete aktuelle
Version 3.2T13
(Stand: September 2001) ist hier weiter, auch was die Verwendung von neueren,
von Sicherheitlücken bereinigten Programmteilen angeht.