Kosten der Beschaffung
Hardware:
Die Thin Clients (= Arbeitsplätze ohne eigene Festplatte) sind vom Typ
"Siemens Scovery". Sie kosten etwas weniger als übliche PCs. Mit Hilfe einer
Steckkarte der Firma Melchers (
www.netcom.melchers.de) können aber auch handelsübliche PCs
in wartungsfreie Terminals umgewandelt werden. Der Server erfordert ein gut
ausgebautes RAM (ca. 512 MB für 12-16 Arbeitsplätze). Die Hardwarekosten
sind vergleichbar mit üblichen PC-Lösungen.
Die PC-Steckkarte beinhaltet ein Mini-Linux, das zusammen mit Grafikkarte
und Netzkarte ein Thin-Client realisiert. Alternativ kann man z.B. Windows
von der Platte booten, was die Arbeitsplätze weiterhin problematisch macht.
Software:
Für die Arbeitsplätze entstehen keine Softwarekosten. Auch die
Serversoftware und eine Fülle von Anwenderprogrammen (u.a. StarOffice,
Word-Perfect) können kostenlos eingesetzt werden. Eine beliebig oft
installierbare Linux-Distribution ist unter DM 100.-- zu haben.
Kosten für den laufenden Betrieb
Es gibt keine lösungsspezifischen Kosten.
Wie robust funktioniert die EDV-Lösung im Schulalltag?
Keine Störungen seit Inbetriebnahme vor 1 1/2 Jahren. Das System läuft
wesentlich stabiler als alle bisher erprobten Lösungen und es gibt praktisch
keine Gefahr durch Computerviren.
Wie hoch ist der Wartungsaufwand?
Äußerst gering! Die Arbeitsplätze erfordern keinerlei Wartung, auch für die
Inbetriebnahme ist keinerlei Installation erforderlich, es sind lediglich
ein paar Einträge im Setup vorzunehmen (z.B. IP-Adresse, Servername o.ä.).
Selbst das Ausschalten der Geräte während des Betriebs führt zu keinen
Problemen.
Der Server erfordert eine sehr geringe Wartung: Sämtliche
Softwareinstallation erfolgt einmalig auf dem Server und steht sofort allen
Benutzern an allen Arbeitsplätzen zur Verfügung.
Für die Benutzerverwaltung wurde ein eigenes Tool entwickelt, mit dem man
komfortabel ganze Klassen im System an- und abmelden kann (zentrale
Benutzerverwaltung)(
www.b.shuttle.de/b/humboldt-os/system/index.html dort:
DOWNLOAD SCHOOLADMIN) . Dabei erfolgt auch eine automatische Anpassung aller
erforderlichen Einstellungen, damit die Schüler z.B. sofort per e-mail unter
ihrer individuellen Adresse erreichbar sind bzw. schreiben können.
Da das System auf Linux basiert, haben die Schüler (im Gegensatz zu einer
Windowsinstallation) von Anfang an nur Schreibrechte in ihrem individuellen
Heimatverzeichnis (default-Einstellung). Sie können daher die Installation
nicht "vermurksen". Der Administrator muss nicht nachträglich festlegen,
welche Verzeichnisse und Dateien vor Schreibzugriffen geschützt werden
müssen. Der Speicherbereich der Schüler lässt sich individuell beschränken.
Vorbemerkung
Jahrelange Erfahrung mit unterschiedlichen Rechnersystemen haben uns
gezeigt, dass Windowsinstallationen für Schulen kaum geeignet sind, da der
administrative Aufwand unvertretbar hoch ist. Es gibt zwar auch für diesen
Bereich eine Reihe von Lösungen, um die systembedingten Mängel
abzuschwächen, jedoch sind hiermit hohe Kosten verbunden und umfangreiche
Spezialkenntnisse erforderlich.
Die hier vorgestellte Lösung erfordert kaum mehr als die Fähigkeit, auf
einem einzigen Rechner eine Linux-Distribution zu installieren. Komplexe
Netzwerkeinrichtungen, wie man sie auch für die Vernetzung von
Linux-Workstations brauchen würde (NIS u.ä.), müssen nicht vorgenommen werden.
Nach einer kurzen Einarbeitungszeit in die Unixwelt ist für den
interessierten "Schulsystemverwalter" die Installation nicht schwieriger als
eine Windows-Installation.
Von manchen als Nachteil empfunden (von anderen als Vorteil) ist die
Tatsache, dass Windows-Programme unter Linux (in der Regel) nicht lauffähig
sind. Wir sind aber der Ansicht, dass alle Bereiche eines sinnvollen
schulischen Rechnereinsatzes durch die unter Linux zur Verfügung stehende
Software abgedeckt wird. Neben Netscape für den Internetzugang, StarOffice
und Word-Perfect, gibt es z.B. das Officepaket von Applixware
(Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenbankzugriff, e-mail), das als
Schullizenz nicht mehr kostet als ein gutes Computerspiel. Einige hundert
Programme, u.a. auch für Grafik und Sound, sowie Compiler für alle denkbaren
Programmiersprachen gehören zum Lieferumfang der Linuxdistributionen. Die
grafische Fenster-Oberfläche KDE hält jedem Vergleich mit anderen Systemen
(Apple, Windows) stand. Für unseren Leistungkurs Wirtschaft wollen wir in
Kürze ein professionelles Warenwirtschaftssystem kaufen, das allerdings auch
unter Linux seinen Preis hat.
Bedauerlich ist es in diesem Zusammenhang, das insbesondere Schulbuchverlage
noch nicht über das KnowHow verfügen, ihre (eigentlich für den
"Nachmittagsmarkt" konzipierten) Software-Produkte plattformunabhängig
anzubieten. Java, HTML und das PDF-Format bieten alle Möglichkeiten, sich
aus der Abhängigkeit eines einzigen Betriebssystem zu lösen. Dennoch gibt es
inzwischen eine Reihe von CDs (z.B. die Informations-CD der Expo), die auf
allen Plattformen - also auch unter Linux - einsetzbar sind.
Kurzbeschreibung einer Installation:
Hardwarevoraussetzungen:
Ein schneller Server mit min. 256 MB RAM für 8 Arbeitsplätze, ISDN-Karte
(z.B. Fritzkarte), Netzwerkkarte (z.B. 3COM905 100 MBit/s), ein Switch,
TP-Verkabelung, ISDN-Anschluss, 1 schnelles zentrales CD-Laufwerk, auf das
von allen Arbeitsplätzen aus zugegriffen wird.
Arbeitsplätze:
8-15 Siemens Scovery oder 8-15 IGEL Thin Clients mit 17" Monitoren, Maus und
Tastatur. (Wir betreiben 12 Arbeitsplätze am Server.) Denkbar sind auch
Arbeitsplätze auf der Basis handelsüblicher PC-Komponenten.
An dieser Stelle sei bemerkt, dass wir die ersten Thin Clients dieses Typs
erhalten haben, bei denen noch kein Sound-Dämon installiert ist. Neuere
Geräte, die wir getestet haben, unterstützen auch Sound. Unsere Geräte
lassen sich nachrüsten.
Serverinstallation:
Wir empfehlen eine SuSE-Linux-Distribution einzusetzen und verweisen auf die
Installationsanleitung dort. Verwenden Sie z.B. den Schulnamen als
Rechnernamen und benutzen Sie als IP-Adresse
Für den Betrieb der Thin Clients tragen Sie nach der Installation in der
Datei /etc/hosts mit einem Editor (z.B. joe) für jeden Arbeitsplatz eine
IP-Adresse ein:
192.168.10.11 alpha.xx.schule.de alpha
192.168.10.12 beta.xx.schule.de beta
192.168.10.13 gamma.xx.schule.de gamma
usw.
In der Datei /etc/exports ist folgende Zeile einzutragen:
/usr/X11/lib/X11/fonts (ro)
Arbeitsplatzinstallation:
Nun schalten Sie einen Thin Client nach dem anderen ein. Mit Hilfe der
ESC-Taste gelangen Sie in das passwortgeschützte Konfigurationssystem.
In der grafischen Oberfläche werden durch Anklicken oder Eintragen
folgende Eintragungen vorgenommen:
Netzwerk
--------
setup-Daten: lokal
IP-Adresse 192.168.10.11
Netzwerkmaske: 255.255.255.0
Gateway -------------
X-Server
--------
RGB-Datenbank: lokal
Grafik-Bildschirm
-----------------
Auflösung 1024x768
Erscheinung und Fonts
---------------------
Window-Manager: keiner
XDMCP: direkt
host >servername<
FontService über NFS ja
FontServer >servername<
Pfad: /usr/X11/lib/X11/fonts
Hosts
-----
>servername< 192.168.10.1
alpha 192.168.10.11
Die wenigen hier beschriebenen Konfigurationsarbeiten übernehmen in der
Regel die Lieferfirmen der Geräte. Allerdings ist das Know How für solche
Lösungen selten beim Computerhändler an der Ecke vorhanden. Selbst größere
Firmen haben oft wenig Interesse etwas anderes zu liefern als das, was sie
regelmäßig in die Büros stellen.
Abschlussbemerkung
Da die Lösung in den Arbeitsplätzen auf Festplatten und Diskettenlaufwerke
verzichtet, handelt es sich um sehr robuste Geräte. Damit sind sie bestens
geeignet für Räume, die Schülern frei zugänglich sind (Schul-Internet-Café).
Die Thin Clients lassen sich auch so konfigurieren (ICA-Clients), dass sie
mit einem Microsoft Terminalserver zusammenarbeiten. Der Server müsste aber
für Windows 2000 noch stärker ausgelegt werden und für einen befriedigenden
Betrieb wäre außerdem eine teure Zusatzsoftware von Citrix erforderlich.
Insgesamt würden hohe Zusatzkosten entstehen (weit über 20000.- DM) und eine
Reihe konzeptionell bedingter Mängel, die im Schulalltag Probleme bereiten,
blieben auch bei dieser Windows-Lösung bestehen (Virenproblematik,
ungeschützte Defaultinstallation, Sicherheitsmängel, komplexe
Benutzerverwaltung usw.). Nachdem wir in einem Test beide Systeme verglichen
haben, ist uns die Entscheidung für Linux leicht gefallen.
Bernd Kokavecz
Humboldt-Oberschule, Hatzfeldtallee 2-4, 13509 Berlin-Tegel
Ergänzende Hinweise bitte an:
Hans-Josef Heck - hjh"@antispam at"mail.fsub.de